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Die systemische 13 | Teil 9: Wirklichkeits- vs. Möglichkeitsraum

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Teil 9: Wirklichkeits- vs. Möglichkeitsraum

Eine Beitragsreihe von Dennis Sawatzki

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Einleitung: Mehr als zwei Optionen denken

„Wenn ich nur Option A und B sehe, habe ich mindestens drei weitere Möglichkeiten übersehen.“

Dieser plakative Ausspruch begegnete mir erstmals in meiner Supervisionsweiterbildung. Er öffnet den Blick für einen möglichen Perspektivwechsel und plädiert dafür, nicht mit dem Nachdenken aufzuhören, sobald man eine vermeintliche Lösung oder Antwort gefunden hat.

Ressourcenorientierung und Erweiterung von Handlungsalternativen

Zugleich stärkt er die Ressourcenorientierung und Kreativität, indem bewusst nach bereits vorhandenen oder noch zu entwickelnden Handlungsalternativen gesucht wird. Diese Haltung hilft im Coaching, den sogenannten Möglichkeitsraum zu weiten.

Sprache im Coaching: Konjunktiv statt Imperativ

Die Sprache des Coachings bewegt sich bewusst im Konjunktiv, um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, keinen unnötigen Handlungsdruck zu erzeugen und keine vermeintlichen Tatsachen zu schaffen, die sich als nicht haltbar, nicht nützlich, nicht anschlussfähig oder nicht umsetzbar erweisen.
Coaches gehen sensibel und sparsam mit dem Indikativ um und vermeiden den Imperativ, da der Handlungsimpuls stets von den Coachees ausgehen sollte.

Der Wirklichkeitsraum: Subjektive Konstruktion von Realität

Der Wirklichkeitsraum beschreibt die aktuell erlebte, subjektiv konstruierte Wirklichkeit der Coachees – also das, was sie gegenwärtig wahrnehmen und verstehen. In diesem Raum sind die aktuell vorherrschenden Annahmen, Überzeugungen, Routinen oder Problembeschreibungen angesiedelt.
Der Wirklichkeitsraum kann durch Reflexion sicht- und begehbar gemacht und durch systemische Fragen, Perspektivwechsel und Umdeutungen (z. B. Reframing; Bandler & Grinder, 2010) erweitert werden.

Der Möglichkeitsraum: Potenziale, Perspektiven und neue Wege

Der Möglichkeitsraum beinhaltet die möglichen Alternativen, neue Perspektiven und Handlungsoptionen, die im Coaching entdeckt, entwickelt und erprobt werden können. Er umfasst alle Potenziale und Ressourcen, die bisher nicht sichtbar sind oder genutzt wurden. Hier finden kreative Lösungen und neue Wege ihren Platz.

Innere Landkarten erweitern

Im Coaching wird die „innere Landkarte“ der Coachees erkundet und erweitert (Korzybski, 1933; Erickson & Rossi, 1967). Die eigene Wirklichkeit ist nicht als fixe, sondern als veränderbare Konstruktion zu verstehen. Dies eröffnet den Zugang zu neuen Möglichkeiten, die die Handlungsspielräume erweitern und damit Veränderung anbahnen.

Praxisbeispiel aus dem Coaching

Beispiel: Die Schulleitung beklagt die passive Haltung des Kollegiums, wenn Zusatzaufgaben vergeben werden. Im Wirklichkeitsraum fallen Begriffe wie mangelndes Engagement, fehlende Identifikation und Frontenbildung.

Im Coaching arbeiten wir mit der Wunderfrage einen aus Sicht der Schulleitung idealtypischen Zustand heraus und beschreiben die Attribute, die nun anders sind. Anschließend betreten wir den Möglichkeitsraum und identifizieren Begriffe wie Bedürfnisse, Belastungssteuerung, Verantwortungsübertragung und Vertrauen.
Hieraus lassen sich andere Handlungsoptionen ableiten als aus der Terminologie des Wirklichkeitsraums. Dies bringt neue Bewegung ins System und steigert die Handlungsfähigkeit der Schulleitung.

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